Lyngen Tag 3


Hach, Norwegen, du Schöne. Die Landschaft und das Licht ist mitunter schon fast eine Frechheit. So viel romantischer Kitsch, rote Holzhäuser am Meer, saftiggrüne Wiesen, blaues Meer, steile Berge mit und ohne Gletscher mal steil, mal sanftbefelst. Dazu eine tiefstehende Sonne und wechselnde Bewölkung mit Sonnenfenstern und dramatischer Wolkendecke, sodass man selbst im Hochsommer um die Mittagszeit den Kamerasensor bei jedem Click auf den Auslöser förmlich frohlocken hört.

Tag drei irgendwo nördlich von Skibotn bei einem kleinen Kaff, dessen Name ich weder aussprechen, noch mir merken konnte. Hoch zu einem Aussichtspunkt, knappe 300 HM. Ab einem Wasserfall folgt ein verwinkelter Schafpfad durchs Unterholz bergab. Der zweite Trail 5km davon entfernt geht endlich ins geliebte alpine/hochalpine Gelände. Angenehm, dass man hier ab Meereshöhe nur gut 350 HM hinter sich bringen muss, um im hochalpinen Ödland die baumfreie Aussicht genießen zu können und der Geist über den weiten Horizont schweifen kann. Alpiner Genuss für Gehfaule.

Hinter mir bedrohliche Felsformationen, grasgrüne Wiesen, vor mir dunkle Bergseen, romantisch rote Blümchen, tiefblaues Fjordmeer. Kein Wind und die Sonne bestreichelt uns mit einer sanften Arbeitstemperatur. Gerade so, dass man leicht schwitzt bergauf, aber auch einfach so wohltemperiert herumliegen kann. Dazu wieder ein wohlgeformter Genusstrail, meist so, dass man teils noch bergauf treten kann, aber auch schiebend gut voran kommt und bergab entsprechend auch die Bremsbacken eher auf Urlaub sind.  Klingt nach ziemlich viel Wellnessbiken heute, und ist es auch. Man möchte sich ja fast beschweren, dass man bei den vielen Halbkurven bergab so viel Spass hat, dass man fast nochmal in die Transpirationsphase schwappt. Ich finde ja Arbeiten sollte immer so sein.

Ok, das Feieerabendbier vom Supermarkt für 4 Euro ist dann etwas hochpreisig, aber irgendeinen kleinen Nachteil muss man als kritischer Bundesdeutscher ja fast finden. Und dann, kurz bevor man sich fast schon künstlich echauffieren möchte, kommt Norweger 1 daher, bringt die Eier-Ausbeute der letzten 5 Tage und Norweger 2 und legt ein knappes Kilo Fisch dazu – neulich auf der anderen Straßenseite händisch gefangen. Und weil diese Menge ja für vier Personen rein theoretisch ja ganz eventuell etws nicht ganz stopfend sein könnte, legt man noch einen Topf hausgemachter klassisk Baccalao (klassisch norwegische Kabeljau-Fischsuppe) obendrauf.

 


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