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Selbstversuch – Die Büchse der Pandora


Sonnige Sonntage sind in den stadtnahen Erholungsgebieten nicht unbedingt die beste Zeit, um actionhaltige Trendsportarten auszuüben. Wenn die aktuelle regionale Gesetzeslage (beruhend auf Gesetzen aus der Kaiserzeit um 1910) die Sportart teilweise ignoriert (d.h. keine Regeln vorliegen) bzw. teilweise bei Strafe verbietet (730.- Euro bzw. eine Woche Haft) und sich die lokal bekannte, unaufgeschlossene Art der Menschen Neuem gegenüber addiert, schreit es nach einem Selbstversuch.

Wir wählen einen der bekanntesten und beliebtesten Wanderwege zwischen Tirol und Bayern, würzen das ganze mit dem ersten schönen, sommerlichen Sonnentag seit mehreren Wochen, addieren Sommerferien, den Wochentag Sonntag und den bequemen Wanderzustieg per Gondel.

Selbstversuch – Die Büchse der Pandora

Wir werden von Bauern mit Mistgabeln verfolgt, Almwirte bewerfen uns mit Bierkrügen, Förster treffen direkt mit dem ersten “Warnschuss” aus der Schrotflinte. Kühe spießen uns auf, Wanderer werfen uns ihre Stöcke in die Speichen. Gar die ach so unschuldigen Gemsen rammen uns vom Wanderweg in den Abgrund. Die Schafherde trampelt uns ins Krankenhaus. Die Bergdohlen lachen sich ins Gefieder und stibitzen uns die letzte Notration Schoggi.

All dies ist nicht passiert.

Tatsächlich hatten wir eine zwar körperlich anstrengende Tour und Petrus begoß uns mit Allem was er hat, am Berg jedoch verliefen jelgiche Kontakte mit den sonstigen Anspruchsgruppen am Berg friedlich und durchweg heiter. Amüsanter Tratsch, wenn wir mal wieder bergab tragen mussten. Gesprächig und äusserst gut gelaunte Wanderer beim Aufstieg, wie auch bei der Abfahrt.

Danke an all die Wanderer, die uns Radfahreren freiwillig (!) Platz eingeräumt haben. Danke für die Weg-Tipps und die aufmunternden Worte.

Tirol/Bayern: Es gibt noch Hoffnung. Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, die Gesetzeslage dem Verhalten der Menschen anzupassen, und nicht umgekehrt.

Vielleicht aber belehrt uns Nietzsche:

 Die Hoffnung. — Pandora brachte das Fass mit den Übeln und öffnete es. Es war das Geschenk der Götter an die Menschen, von Außen ein schönes verführerisches Geschenk und “Glücksfass” zubenannt. Da flogen all die Übel, lebendige beschwingte Wesen heraus: von da an schweifen sie nun herum und tun den Menschen Schaden bei Tag und Nacht. Ein einziges Übel war noch nicht aus dem Fass herausgeschlüpft: da schlug Pandora nach Zeus’ Willen den Deckel zu und so blieb es darin. Für immer hat der Mensch nun das Glücksfass im Hause und meint Wunder was für einen Schatz er in ihm habe; es steht ihm zu Diensten, er greift darnach: wenn es ihn gelüstet; denn er weiß nicht, dass jenes Fass, welches Pandora brachte, das Fass der Übel war, und hält das zurückgebliebene Übel für das größte Glücksgut, — es ist die Hoffnung. — Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das übelste der Übel, weil sie die Qual der Menschen verlängert.

 

PS: Die Bergdohlen (und auch einige Wanderer) konnten sich einige Lacher nicht ganz verkneifen.

Mountainbike, Bikebergsteigen, Schafherde

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